cr_home Metalle Strukturchemie Interm. Phasen Oxide FK-Chemie Silicate Strukturtypen
<<<
Inhalt 1. Einleitung 2. Wasserstoff 3. Edelgase 4. Halogene 5. Chalkogene 6. Pentele 7. Tetrele 8. Bor
>>>
Vorlesung Chemie der Nichtmetalle

2. Wasserstoff

2.1. Element

Allgemeines

Der Wasserstoff ist das erste und einfachste Element des Periodensystems. Seine Elektronenkonfiguration zeichnet sich damit durch nur ein Elektron aus, das sich im energetisch niedrigsten Zustand, im 1s Orbital, befindet. Die Elektronenkonfiguartion ist also 1s1.

Über die Frage, an welcher Position im Periodensystem der Wasserstoff eingeordnet werden sollte, wurde und kann diskutiert werden. Aufgrund der auftretenden Oxidationsstufen sind nämlich zwei Positionen denkbar:

Die chemische Bindung von Wasserstoff mit anderen Nichtmetallen ist stets kovalent und kann aber mehr oder weniger polar sein. Wasserstoff ist in kovalenten Verbindungen fast ausschließlich 1-bindig (d.h. die 8-N-Regel gilt nur für die langen Perioden). In der organischen Chemie werden die H-Atome sogar meist weggelassen, da sie immer eine einfache Absättigung durch terminale Bindungen C-H bewirken. Neben den kovalenten Verbindungen des Wasserstoffs gibt es jedoch auch Verbindungen mit Wasserstoff-Ionen (H+, H-) und metallische 'Hydride' (s. Kap. 2.2.).

Vorkommen, Isotope

Obwohl in der Erdrinde jedes 6. Atom ein Wasserstoffatom ist, macht er nur 1.02 Gewichtsprozent der Erdrinde aus. Fast ausschließlich kommt Wasserstoff gebunden (meist als Dihydrogenoxid H2O, auch bekannt als Wasser) vor. Im Weltall ist Wasserstoff das häufigstes Element. Unsere Sonne besteht zu 80 Atom-Prozent aus Wasserstoff.
Vom Wasserstoff gibt es drei verschiedene Isotope: Bedingt durch die großen Massenunterschiede zwischen H und D unterscheiden sich sowohl die Elemente selber als auch deren Verbindungen in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften sehr deutlich. Durch Substitution von H durch D können Reaktionsmechanismen mit Protonen/Hydrid-Verschiebungen untersucht werden, da dann ein sehr großer Isotopeneffekt auftritt.

Das Molekül H2

Das Element Wasserstoff besteht aus Molekülen H2 und enthält damit die einfachste denkbare kovalente Bindung. Der Gleichgewichtabstand beträgt 74 pm, die Dissoziationsenergie liegt bei 436.2 kJ/mol. Anhand dieses einfachen Moleküls sollen kurz die verschiedenen Modelle für die Beschreibung kovalenter Bindungen wiederholt/eingeführt werden:
Abb. 2.1.1. VB-Beschreibung der chemischen Bindung in H2 SVG Abb. 2.1.2. MO-Beschreibung der chemischen Bindung in H2 SVG

Einfluß der Kernspins: Ortho- und Para-H2

Das Proton, d.h. der Kern des Wasserstoffatoms hat einen Kernspin von 1/2. Dementsprechend ergeben sich für das Molekül H2 zwei verschiedene Möglichkeiten für die Ausrichtung der magnetischen Momente der beiden beteiligten Kerne, die allerdings nur zu sehr geringen Unterschieden in den physikalischen Eigenschaften führen:

Abb. 2.1.3. Ortho- und Para-Wasserstoff: Kernspins SVG Abb. 2.1.4. Ortho- und Para-Wasserstoff: Gleichgewicht SVG

ortho-H2 para-H2
gleichsinniger Kernspin gegenläufiger Kernspin
S = 1 S = 0
energiereicher energieärmer
Tab. 2.1.1. Ortho- und Para-Wasserstoff

Es besteht ein Gleichgewicht zwischen beiden Formen:

ortho-H2 <---> para-H2; +0.08 kJ/mol
Bei tiefen Temperaturen und nur bei Anwesenheit einer paramagnetischen Substanz (Spin-verbotener Übergang!) kann demnach der energiereichere und wegen der Entartung (2S+1) bei höherer Temperatur drei-mal häufigere ortho-Wasserstoff in para-H2 umgesetzt werden.

Nachweis von H2

Zum Nachweis von elementarem Wasserstoff können dienen:

Darstellung

Die Darstellung von elementarem Wasserstoff im Labor kann nach den folgenden Reaktionen erfolgen:
  1. H2 kommt in roten Flaschen mit Linksgewinde im Labor vor.
  2. Wasserstoff kann durch Elektrolyse von verdünnter H2SO4 erhalten werden. Dabei laufen die folgenden Teilreaktionen ab:
  3. Bei der Umsetzung von Metallen mit H2O wird abhängig vom Redoxpotential Wasser reduziert, und das Metall oxidiert. Das erforderliche Normalpotential des Metalles ist vom pH-Wert abhängig: D.h. die Reaktion läuft mit vielen (unedlen) Metallen z.T. mit großer Heftigkeit ab. Je nach Metall, d.h. der Frage, inwieweit eine Oxid/Hydroxid-Schicht gebildet wird, muß die Reaktion bei unterschiedlichen Bedingungen durchgeführt werden:
  4. Hydrid + H2O (Komproportionierung) (vgl. die Verwendung von CaH2 als Trockenmittel)
    CaH2 + 2 H2O ---> Ca(OH)2 + 2 H2
Technisch gibt es ebenfalls eine Reihe unterschiedlicher Möglichkeiten für die Darstellung von elementarem Wasserstoff.

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften: Wasserstoff ist ein farbloses, geruchloses, brennbares (d.h. die Verbrennung unterhaltendes) Gas. Seine besondere Eigenschaft ist die geringe Dichte: 1 l H2 wiegen lediglich 0.09 g. Auf dieser geringen Dichte basierte die Verwendung als Füllgas für Luftschiffe (Hindenburg). 1 l Luft wiegt dagegen 1.2928 g. Elementarer Wasserstoff schmilzt schon bei 14 K (-260 oC) und siedet bei 20 K (-253 oC). Die Gründe hierfür sind die geringe Molekülmasse und die wenigen, stark zwischen den Kernen lokalisierten Elektronen, so daß nur schwache Dipol-Dipol-Wechselwirkungen auftreten. Fester Wasserstoff ist polymorph: Unterhalb von 14 K liegt eine hexagonal dichteste Kugelpackung vor. Bei Drücken oberhalb von 2.5 Mbar und Temperaturen von 3000 K wird Wasserstoff metallisch (Science 273, 939-938 (1996)). Wasserstoff hat die größte Wärmeleitfähigkeit aller Gase und das größte Diffusionsvermögen, was zu einer Reihe von technischen Problemen beim Umgang mit H2 führt.

u1 : u2 = √M2 : √ M1
mit: u=Diffusionsgeschwindigkeit; M=Molekulargewicht
Chemische Eigenschaften Die Löslichkeit von H2 in Wasser ist sehr gering. In Fe/Ti-Legierungen ist Wasserstoff dagegen mit hohem Volumen speicherbar. Dieses Speichervermögen kann z.B. beobachtet werden, wenn man bei Elektrolyse, bei denen Wasserstoff an Metallelektroden entsteht, die verspätete Entwicklung verfolgt. Wasserstoff kann bei sehr hohen Temperaturen homolytisch gespalten werden:
H2 ---> 2 H. ; +436 kJ/mol (endo)
Das Gleichgewicht liegt so, daß bei 3000 K ca. 8 % gespalten sind. Auf der Sonnenoberfläche, wo eine Temperatur von ca. 6000 K herrscht, liegt daher ausschließlich atomarer Wasserstoff vor. Im Sonnenmantel, d.h. bei Temperaturen von ca. 100 000 K kommt es schließlich zur thermischen Ionisation:
H. ---> H+ + e-
Im Sonnenkern, wo die Temperatur bei ca. 10 Millionen K liegt, erfolgt schließlich zur Fusion der Protonen zu He-Kernen. Die Spaltung von Wasserstoff kann alternativ aber auch durch Mikrowellen oder im Lichtbogen (s.u., Arcaton-Verfahren) erreicht werden.
Energetisch noch aufwendiger als die homolytische ist die heterolytische Spaltung von Wasserstoff:
H2 ---> H+ + H-
Mit einer Enthalpie von +1675 kJ/mol liegt die Gleichgewichtskonstante bei KS bei 10-39, d.h. das Gleichgewicht liegt extrem weit auf der linken Seite.

Verwendung von Wasserstoff

Verwendung von Verbindungen mit schweren Isotopen

Deuterium: Schweres Wasser, D2O, wird als Moderator in Kernreaktoren verwendet. Die Fusion von Deuterium-Kernen ist Basis der Funktion von Wasserstoffbomben:
21H + 21H ---> 42He
Praktisch wird dabei die nukleare Zersetzung von Litiumdeuterid LiD verwendet.
63Li + 21H ---> 2 42He + 22.4 MeV
Im Berich der Chemie sind deuterierte Verbindungen für Markierungsexperimente interessant. Sie können als Indikator für Protonenwanderungen benutzt werden, da hier ein ausgeprägter Isotopen-Effekt auftritt:
NH3 + D2O <---> NH3D+ + OD- ---> NH2D + HDO
Aus solchen Experimenten wird erkennbar, daß im NH4+ alle H-Atome gleichberechtigt d.h. symmetrieäquivalent sind.
Dagegen läßt sich durch H-D-Austausch in der phosphorigen Säure:
H3PO3 <---> 2 H+ + HPO32-
zeigen, daß das letzte Proton nicht austauschbar ist, als kovalent an den Phophor gebunden ist.
Für diese Art von Experimenten sind Deuterium-Verbindungen erforderlich, die sich aus D2O z.B. nach den folgenden Reaktionsgleichungen gewinnen lassen: Tritium ist in der Natur extrem selten. Es ist ein ß-Strahler mit einer Halbwertszeit t1/2 von 12.35 Jahren:
31H ---> 32He + 1 e-
Tritium wird in der Medizin und der Analytik als Marker eingesetzt und entsteht bei Höhenstrahlung:
147N + 10n ---> 31H + 126C
Die geändere Masse H - D - T wirkt sich bei den physikalischen und chemischen Eigenschaften der Wasserstoffverbindungen (wie z.B. bei H2O) auch sichtbar aus:

H2O D2O T2O
Dichte bei 25 [oC] [gcm-3] 0.99701 1.1044 1.2138
Temp. des Dichtemaximums [oC] 4.0 11.2 13.4
Schmelzpunkt [oC] 0 3.81 4.48
Siedepunkt [oC] 100 101.421 101.51
molare Schmelzwärme [kcal/mol] 1.435 1.522
pk-Wert bei 25 [oC] 14.0 14.869 15.215
Tab. 2.1.2. Vergleich der physikalischen Eigenschaften von leichtem, schweren und superschwerem Wasser

Reaktionen

Die wichtigsten Reaktionstypen von Wasserstoff sind:
<<<
Inhalt 1. Einleitung 2. Wasserstoff 3. Edelgase 4. Halogene 5. Chalkogene 6. Pentele 7. Tetrele 8. Bor
>>>
cr_home Metalle Strukturchemie Interm. Phasen Oxide FK-Chemie Silicate Strukturtypen