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Vorlesung Intermetallische Phasen

2. Elementare Metalle, metallischer Zustand

2.1 Physikalische und chemische Eigenschaften


Chemische Eigenschaften

Die chemische Eigenschaften der Metalle sind extrem vielfältig und Stoff vieler Vorlesungen. Gemeinsam ist den Metalle die recht geringe Elektronegativität, so daß mit Nichtmetallen stets Kationen und damit typische Salze gebildet werden. Vor allem für Fragen der chemischen Beständigkeit und Korrosion usw. sind die Redoxpotentiale (Spannungsreihe) entscheidend. Die Normalpotentiale der Metalle reichen von -2.92 V für Cs bis +1.69 V für Au. Daneben ist wichtig, ob eine (Oxid)-Deckschicht entsteht bzw. wie diese beschaffen ist (s. z.B. Al). Für die Übergangsmetalle sind zahlreiche Oxidationsstufen charakteristisch. Die Chemie dieser Metalle ist entsprechend vielfältig und wird zusätzlich interessant durch die Bildung von Koordinationsverbindungen mit Elektronendonoren (Liganden).

Schmelz- und Siedepunkte, Dichte

Für die Verwendung der Metalle und Legierungen als Materialien sind die Schmelzpunkte eine wichtige Größe.

Die Abbildung zeigt den Gang der Schmelzpunkte (der in etwa dem der Siedepunkte entspricht) im Periodensystem. Maximale Schmelzpunkte liegen in jeder Periode bei halb gefüllten d-Elektronenzuständen (Cr, Mo und W; 6. NG). Ausgehend von dieser Gruppe nehmen Schmelz- und Siedepunkte nach rechts und links stetig ab. Im Bereich kovalenter Verbindungen (weit rechts) steigen die Schmelzpunkte wieder leicht an, da hier zunehmend kovalente Bindungsanteile (und damit hohe Bindungsenergien) vorliegen. Die Dichte der Metalle verläuft etwa umgekehrt zu den Schmelzpunkten. Der Gang der Atomradien, der etwa umgekehrt zu dem der Schmelzpunkte ist, ist ebenfalls eingezeichnet.

Mechanische Eigenschaften

Ein wichtiges Kriterium für die technische Verwendung von Metallen und Legierungen sind ihre mechanischen Eigenschaften. Hier sind einige Punkte für Metalle charakteristisch und einmalig.
Die mechanischen Eigenschaften müssen unterschieden werden in: Mikroskopisch sind die mechanischen Eigenschaften mit der Wanderung von Defekten und ähnlichen Prozessen verbunden und sind damit stark von der Vorbehandlung und der Kristallinität der Probe abhängig.
In der folgenden Tabellen sind einige Zahlen zu mechanischen Eigenschaften ausgewählter Materialien zusammengestellt:

Schubmodul [dyn/cm2] Elastizitätsgrenze [dyn/cm2] Elastizitätsmodul [N/mm2] Zugfestigkeit [N/mm2] Brinell-Härte
Sn (Einkr.) 1.9 1011 1.3 107
In 1.08 104 2.65 0.9
Ag (Einkr.) 2.8 1011 6 106
Al (Einkr.) 2.5 1011 4 106
Al (Polykr.) 2.5 1011 2.6 108 6.9 104 130
Al (gezogen) 2.5 1011 9.9 108
Cu 11 104 200
Mo 32.4 104 655 150
Glas 7.4 104 5900

Am Beispiel des Aluminiums zeigt sich die Abhängigkeit der Elastizitätsgrenze von der Vorbehandlung der Probe. Indium und Zinn weisen geringe Härte, ein geringes Schubmodul aber eine hohe Elastizitätsgrenze auf. Molybdän ist besonders hart und hat ein hohes Elastizitätsmodul und hohe Zugfestigkeit. Neben den obengenannten Größen gibt es weitere, technisch im Detail definierte Meßgrößen für die mechanischen Eigenschaften von Metallen:

Eine Besonderheit der Metalle ist auch das sogenannte Kriechen, d.h. das besondere Verhalten der Dehnung in Abhängigkeit von der Zeit.

Thermische Eigenschaften

linearer thermischer Ausdehnungs- Koeffizienten [K-1 10 -6] Wärmeleitfähigkeits- Koeffizient [W/mK]
W 4.5 178
Cu 16.5 398
Ag 19 428
Al 23.6 247
Ge 5.75 58.66
Glas 0.5 2
Für die thermischen Eigenschaften der Metalle ist ihre gute Wärmeleitfähigkeit bei relativ großen Ausdehnungskoeffizienten charakteristisch.
Die Wärmeleitung ist charakterisiert durch den Wärmestrom in Abhängigkeit des örtlichen Temperaturgradienten:
JQ = dQ/dt = - lambda dt/dz
Die Proportionalitätskonstante lambda nennt man Wärmeleitfähigkeitskoeffizient. Die Tabelle zeigt, daß dieser bei Metallen groß ist, d.h. Metalle gute Wärmeleiter sind.

Die thermische Ausdehnung beschreibt die Auswirkung von Temperaturänderungen auf das Volumen oder die Länge (linearer thermischer Ausdehnungkoeffizient) des Materials:

alphaV = 1/V (d V/d T) p bzw. alphaL = 1/L (d L/d T) p
Die Tabelle zeigt, daß alpha bei Metallen groß im Vergleich mit Nichtmetallen recht groß ist und W einen vergleichsweise kleinen Ausdehnungskoeffizienten aufweist: Bei Metallen besteht ein Zusammenhang zwischen elektrischer Leitfähigkeit und Wärmeleitung, da für beide Transportprozesse nur die Elektronen verantwortlich sind: (sog. Wiedemann-Franz-Gesetz)
lambda - sigma T
d.h. bei konstanter Temperatur sind elektrische und Wärmeleitfähigkeit zueinander proportional.

Magnetische Eigenschaften

TC bzw. TN [K] Sättigungs- Magnetisierung [Gauss]
Fe 1043 1740
Co 1388 1446
Ni 627.2 510
Gd 292.5 2060
Cr 308

Einige wenige reine Metalle zeigen auch ferromagnetische bzw. antiferromagnetische Eigenschaften, die für die technische Anwendung von großer Bedeutung sind. Der Ferromagnetismus (z.B. bei Fe, Co, Ni, Gd) verschwinden bei Temperaturen oberhalb der sog. Curie-Temperatur (Tc), der Antiferromagnetismus (z.B. bei Cr) oberhalb der sog. Neel-Temperatur (TN).
(Hysterese, Sättigungsmagnetisierung)
Einige komplizierte Legierungen sind als Magnete noch deutlich besser geeignet als die reinen Elemente.

Elektrische Eigenschaften

Metalle sind elektronische Leiter, die Leitfähigkeit sinkt mit steigender Temperatur. Typisch ist, daß keine Bandlücke (s.u.) vorliegt. Die für die elektrische Leitfähigkeit charakteristische Größe ist die sog. spezifische elektrische Leitfähigkeit (sigma). Für die Transportgleichung des elektrischen Stroms in Abhängigkeit des örtlichen Spannungsgradienten gilt
JQ = dQ/dt = - sigma A dU/dz
Die spezifische elektrische Leitfähigkeit hängt von der Zahl der Ladungsträger und deren Beweglichkeit ab
sigma = \sum ni ei mui
Die Leitfähigkeiten von Metallen sind i.A. sehr groß, die von Halbmetallen (As,Sb,Bi) leidlich und die von Halbleitern (z.B. Si, Ge) sehr schlecht. Die Metalle der A1- und A2-Gruppe (ohne die Cu-Gruppe!) zeigen spezifische elektrische Leitfähigkeiten von 1.4 106 (Y) bis 25 106 (für Mg) Omega-1 m-1. Die höchsten Leitfähigkeiten erreichen Cu und Ag (65 106). Auch Aluminium ist ein recht guter elektrischer Leiter mit 40 106. Der übrige Rest der Elemente rechts der Cu-Gruppe zeigt Leitfähigkeiten von weniger als 20 106. In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten elektrischen Eigenschaften elementarer Metalle zusammengestellt:

Eg Ladungsträger- Konzentration [e-/cm3] e--Beweglichkeit [cm2/Vs] spzifische Leitfähigkeit [Omega1- m-1] Tc [K] für Supraleiter
Si 1.17 (i) 1350 4 10-4
Ge 0.744 (i) 3600 2.2 10-4
Te 0.33 (d) 3600 2.2 10-4
As 0 2 1020
Sb 0 5.5 1019 2.8
Bi 0 2.88 1017 1
K 0 1.4 1022 15.9 106
Na 0 2.65 1022 23 106
Cu 0 9.3 1022 65 106
Al 0 38 106
Hg 4.4 106 4.2

Daneben sind thermoelektrische Eigenschaften von Metallen und Halbleitern technisch wichtig. Beispielsweise weist Bi2Te3 (Eg = 0.15 eV) eine thermoelektrische Kraft von 212 muV/K auf. Auch vom Peltier-Effekt verschiedener Metallkontakte wird technisch Gebrauch gemacht (z.B. Thermoelementen).

Einige wenige Elemente (s. Abbildung unten) sind bei sehr tiefen Temperaturen Supraleiter. Einige Legierungen (z.B. Nb3Sn) zeigen deutlich höhere Sprungtemperaturen und werden daher technisch in großem Umfang eingesetzt.

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