Vorlesung Chemie der Metalle
3. Erdalkalimetalle (2. Hauptgruppe: Be, Mg, Ca, Sr, Ba)
3.2. Elementare Metalle
Strukturen
- Beryllium kommt in zwei Modifikationen vor. Die
Tieftemperatur-Form (α-Form) bildet eine hexagonal-dichte Kugelpackung
(h.c.p.), die
Hochtemperaturform kristallisiert in der kubisch-innenzentrierten Packung
(b.c.c., W-Typ).
- Magnesium und β-Calcium bilden die hexagonal
dichte Kugelpackung (h.c.p., größere Härte, da weniger Gleitsysteme).
- α-Ca und Strontium kristallisieren in der
kubisch dichtesten Kugelpackung (f.c.c.)
und
- Barium bildet wie die Alkalimetalle ein
b.c.c.-Gitter.
Die Darstellung der Erdalkalimetalle durch wässrige Elektrolyse ist wegen
der H2-Entwicklung unmöglich; meist wird die Schmelzflußelektrolyse der Chloride
oder die aluminothermische Reduktion eingesetzt. Für die einzelnen Elemente:
- Beryllium wird aluminothermisch aus BeO und BeF2
hergestellt. Auch die chemische Reduktion mit Magnesium oder Silicium ist möglich:
BeF2 + Mg ---> 1300oC ---> Be + MgF2
Das hierfür erforderliche BeF2 wird durch Rösten von Beryll mit
Na2SiF6 gewonnen.
- Magnesium kann sowohl chemisch, als auch elektrochemisch
gewonnen werden:
- Die Schmelzelektrolyse wird bei 750 oC durchgeführt
und dient zugleich zur Herstellung von Chlor für den Aufschluß von MgO:
Elektrolyse: MgCl2 ---> Mg + Cl2
MgO + Cl2 + C ---> MgCl2 + CO
Das entstehende Magnesium ist leichter als die Schmelze und schwimmt daher auf ihr.
- Zur chemischen Reduktion wird gebrannter Dolomit mit Ferrosilicium
umgesetzt:
2 MgO . CaO + FeSi ----> 2 Mg + Ca2SiO4 + Fe
- Calcium, Strontium und Barium werden heute durch
Reduktion der Oxide mit Aluminium gewonnen.
Calcium wurde früher durch Elektrolyse von CaCl2 hergestellt.
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| Abb. 3.2.1. Magnesium |
Abb. 3.2.2. Calcium |
Abb. 3.2.3. Strontium |
Abb. 3.2.4. Strontium und Barium |
Eigenschaften und Verwendung der elementaren Metalle:
- Beryllium ist ein hartes Leichtmetall mit
einem Schmelzpunkt von 1280 oC. Es hat ein größeres Elastizitätsmodul
als Stahl und wird wegen seines niedrigen Neutroneneinfangquerschnitts zur
Konstruktion von Kernreaktoren verwendet. Die Fenster von Röntgenröhren
bestehen aus Beryllium.
Cu-Be-Legierungen (Berylliumbronzen), die nur 2-3 % Beryllium enthalten, sind
wie Kupfer selber gute elektrische und Wärmeleiter, zugleich aber sehr hart und zäh.
Beryllium ist an Luft auch bei höherer Temperatur stabil, da sich eine Oxidschicht aus BeO
bildet. Das Element und seine Verbindungen schmecken süß.
Beryllium ist sehr giftig (Berylliose=Lungenschäden), kanzerogen.
Die Giftwirkung beruht auf der Verdrängung von Magnesium bei zugleich stärkerer
Bindung als Magnesium (CHIUZ 27, 310 (1993)).
- Magnesium schmilzt bei 650 oC und
reagiert nicht mit H2O, da sich eine in Wasser unlösliche Schutzschicht
aus Mg(OH)2 bildet. In Säuren ist Magnesium dagegen löslich.
Magnesium ist ein Leichtmetall, Legierungen mit Aluminium sind zudem korrosionsbeständig
(Dural, Dow-Metalle). Neben seinen mechanischen Eigenschaften wird das Element
vor allem als Reduktionsmittel eingesetzt.
Mg + 1/2 O2 ---> MgO
Diese Reaktion wurde zum Erzeugen von 'Blitzlicht' früher in der Fotografie
eingesetzt. Sie ist mit -600 kJ/mol stark exotherm. Bei Verwendung von Luft statt
reinem Sauerstoff entsteht außerdem Magnesiumnitrid Mg3N2.
- Calcium, Strontium und Barium
sind luft- und feuchtigkeitsempfindlich und reagieren recht heftig mit Wasser:
Ca + 2 H2O ----> Ca(OH)2 + H2
| V: Reaktion von Ca, Sr und Ba mit Wasser |
Calcium wird als Reduktionsmittel bei der Chrom- und Zirkonium-Herstellung eingesetzt,
während Strontium und Barium als Elemente ohne technische Bedeutung sind.
Barium und seine Verbindungen sind giftig, BaCO3 wurde als Rattengift
verwendet. BaSO4 kann wegen seiner extremen Schwerlöslichkeit
dagegen als Röntgenkontrastmittel und Lebensmittelzusatzstoff verwendet werden.
Links zu anderen Fotos der Metalle:
Als erste und einfachste Verbindungsklasse geht es mit den Halogeniden, d.h. auch
mit Salzen AX2 weiter.