cr_home Interm. Phasen FK-Chemie Nichtmetalle Oxide Silicate Strukturtypen
<<< Inhalt Kap. 1 Kap. 2 Kap. 3 Kap. 4 Kap. 5 Kap. 6 Kap. 7 Kap. 8 Lit. >>>

Vorlesung Chemie der Metalle

8. Übergangsmetalle

8.2. Elementare Metalle


8.2.1. Eigenschaften

Die physikalischen Eigenschaften der reinen Metalle sind meist nur graduell unterschiedlich:
Abb. 8.2.1. Übersicht zu Struktur, Vorkommen, Gewinnung sowie Schmelzpunkte der Übergangsmetalle SVG
Innerhalb der Übergangsmetalle gibt es einen typischen Gang der Atomradien (gelbe Balken in Abb. 8.2.1.), der etwa umgekehrt zum Verlauf der Schmelzpunkte verläuft: Die Atomradien von Mn, Tc und Re, d.h. den Elementen in der Mitte jeder d-Reihe, sind am kleinsten da hier eine weitgehend kugelsymmetrische Elektronenverteilung vorliegt und damit alle Elektronen relativ stark angezogen werden. Weiter nach rechts wird offensichtlich die immer weiter erhöhte Kernladung durch die vielen inneren d-Elektronen wieder besser abgeschirmt, die s-Elektronen werden wieder weniger gut angezogen, die Metallradien steigen wieder an.

Umgekehrt zu den Atomradien verhält sich der Gang der Schmelzpunkte bzw. auch der Siedepunkte (cyane Balken): In jeder Periode liegt das Maxima bei etwa der Hälfte der Elemente, d.h. bei Chrom, Molybdän und Wolfram (6. Nebengruppe). Nach vorne und hinten zu nehmen Schmelz- und Siedepunkte wieder ab. Am Anfang und am Ende der Nebengruppenelement fallen die Schmelzpunkte von oben nach unten (z.B. in der Reihe Sc - Y - La oder noch bekannter in der Reihe Zn - Cd - Hg) .

Die Strukturen aller Metalle (bis auf Mangan) gehören zu den einfachsten Strukturtypen der Metalle:


Fotos einiger Übergangsmetalle:
Titan Vanadium Chrom Mangan
Cobalt Nickel Kupfer Zink
Silber Cadmium

8.2.2. Vorkommen

Auch bei den Vorkommen der Elemente (s. Abb. 8.2.1.) gibt es eine gewisse Kontinuität:

8.2.3. Herstellung

In der obigen Übersicht (Abb. 8.2.1.) sind auch die Darstellungsverfahren für die einzelnen Übergangsmetalle mit aufgeführt, die sich selbstverständlich zunächst nach dem Rohstoff richten. Die verschiedenen Verfahren und jeweils ein Beispiel sind (nach Abb. 8.2.1. und mit den Abkürzungen):

Bei den Übergangsmetallen werden nur selten elektrochemische Reduktionsverfahren verwendet:

Ebenfalls bei Nebengruppenelementen nur selten angewendet wird die Die häufigste Methode für alle Metalle, die keine Carbide bilden, ist die Reduktion der Oxide (O) mit elementarem Kohlenstoff (OC). Auch Reduktionen der Oxide mit unedlen Metallen wie Aluminium (OA) oder mit Wasserstoff (OH) sind noch häufig eingesetzte Verfahren: Die drei zuletzt genannten Verfahren werden für die Reduktion der Oxide verwendet. Dagegen gibt es für die edleren, in Form ihrer Sulfide vorkommenden Elemente, ein trickreiches Verfahren, wo die Reduktion mit Sauerstoff (!) bewerkstelligt wird: Für Elemente, die schon gediegen, d.h. als (edle) Metalle vorkommen, wird Ganz generell werden auch häufig nicht die reinen Metalle, sondern gleich die div. Legierungen hergestellt.

Im folgenden sollen für zwei technisch wichtige, nach verschiedenen Verfahren erhältliche Metalle, die Elemente Fe (und Stahl) und Kupfer die Details der technischen Prozesse beschrieben werden.

Herstellung von Eisen und Stahl

Im Labor kann Eisen durch Reduktion mit Wasserstoff gewonnen werden:

Fe2O3 + H2 --> 400-700oC --> Fe + H2O

Die technische Herstellung wurde früher (bis ca. 1600) in sogenannten Rennöfen durchgeführt:

Kohle + Erz ---> Schlacke (läuft ab) + Luppe (bleibt übrig)

Die Herstellung von Stahl erfolgt heute in zwei einzelnen Schritten:
Abb. 8.2.2. Skizze zur Herstellung von Roheisen im Hochofen SVG

  1. Erzeugung von Roheisen: Roheisen enthält ca. 4 % Kohlenstoff gelöst, ist spröde und nicht schmiedbar. Zur Herstellung von Roheisen werden als Rohstoffe Roteisenstein (Fe2O3, Eisengehalt ca. 40-65 %) oder Magneteisenstein (Magnetit, Fe3O4, 45-70% Fe) (s. Abb. 8.2.3.) und außerdem Kohle oder Koks und Zuschläge wie Kalk und diverse Silicate in einen Hochofen eingeschichtet.
    Magneteisenstein Roteisenstein Rötel
    8.2.3. Wichtige Fe-Minerale
    Zusätzlich wird sogenannter Wind, vorgewärmte, mit O2 angereicherte Luft von 1300oC und 4 bar benötigt. Der Hochofen selber (s. Abb. 8.2.2.) ist ca. 40 m hoch und unten ca. 15 m breit. Die Neigung ist der Volumenänderung der Füllung angepaßt. In den Hochofen werden abwechselnd Koks und Erz gefüllt, dazu kommen die Kalkzuschläge, die zu einer Verschlackung (Bildung von leicht schmelzenden Ca-Silicaten/Aluminaten) der Si- und Al-Bestandteile führen. Für den Betrieb: (Schritte von unten nach oben):
    1. Anzünden der untersten C-Schicht:
      2 C + O2 ---> 2 CO
      Bei den Folge-Schritten 2. und 3. wird die stark endotherme direkte Reduktion von Fe2+ zu Fe0 erreicht:
    2. CO steigt in die Erzschicht:
      FeO + CO ---> Fe + CO2
    3. In der nächsten Koksschicht stellt sich wieder das Boudouard-Gleichgewicht ein:
      CO2 + C ---> 2 CO
    4. Schritt ist, in der Reduktionszone bei 900oC, die Reduktion von Fe3+ zu Fe2+.
    5. Ganz oben im Hochofen, d.h. bei niedrigen Temperaturen, erfolgt die Reduktion von Fe3+ zu Fe2+ mit dem letzten CO (ohne Einstellen des Boudouard-Gleichgewichts):
      Fe2O3 + CO ---> 3 FeO + CO2
    Die Produkte des Hochofenprozesses sind insgesamt:
  2. Stahlgewinnung Als Stahl bezeichnet man durch Abschrecken härtbares Eisen. Dazu ist die Verringerung des C-Anteils, die sogenannte Entkohlung von Roheisen (auch Frischen genannt) erforderlich. Das Phasendiagramm Fe-C (s. Abb. 8.2.4.)
    Abb. 8.2.4. Phasendiagramm Fe-D SVG
    zeigt die einzelnen Bereiche für Stähle nach Kohlenstoff-Gehalt: Die Entkohlung kann nach zwei Verfahren durchgeführt werden:
    1. Beim Windfrischen wird das Roh-Eisen zuerst vollständig entkohlt durch
      1. Einpressen von Luft (Thomas-Verfahren).
      2. Aufblasen von O2 (Linz-Donauwitzer- kurz LD-Verfahren), das heute das Hauptverfahren ist.
      Die Enthkohlung wird in kippbaren Apparaten (Konvertern) mit
      1. basisches Futter (CaO) (Thomas-Birne) (bei P-haltigen Erzen)
        P2O5 ---> Ca3(PO4)2
        (Das entstehende Calciumphosphat wird als Dünger verwendet (Thomas-Mehl).)
      2. saures Futter (Bessemer-Birne) (Futter: Quarz/Ton, heute nur noch selten verwendet)
      durchgeführt. Die Oxidation wird in ca. 15 min durchgeführt, anschließend wird der Konverter auf die Breitseite gekippt um die Schlacke abzugiessen. Zur Rückkohlung wird Spiegeleisen oder Ferromangan zugegeben.
    2. Beim Herdfrischen wird das Roh-Eisen gleich bis zum richtigen C-Gehalt entkohlt. Hierzu wird in einem Siemens-Martin-Ofen Schrott zugegeben und heiße Flammengase über die Schmelze geleitet.
Die folgende (historische) Zusammenfassung zeigt nochmals die wichtigsten Prozesse bei der Stahlgewinnung:
Abb. 8.2.5. Gewinnung div. Stähle (historisch und schematisch)
Anmerkung: In sog. Puddelofen wird Roheisen im halbfesten Zustand entkohlt.

Links zur Eisen- und Stahl-Herstellung

Cu-Herstellung (Gesamtschema: SVG)

Für die Herstellung von Kupfer gibt es drei wichtige Rohstoffquellen:

Kupferkies Malachit Malachit mit Azurit
8.2.6. Wichtige Cu-Minerale

Wichtig ist derzeit vor allem die Herstellung ausgehend von den Sulfiden, die ca. 75-80 % der Weltproduktion an Kupfer ausmacht. Beim Röstreaktionsverfahren wird zuerst das Eisen in mehreren Schritten abgetrennt:

  1. Durch Schaum-Flotation (in Flotationszellen SVG) wird eine Anreicherung der Cu-Erze bzw. eine Abtrennung von der Gangart erreicht.
  2. Durch Oxidation (partielles Rösten, im Röstofen, meist einem Wirbelbett-Reaktor SVG) wird Fe-Sulfid mit Sauerstoff bei 700 bis 800 oC zu Fe-Oxid oxidiert:
    CuFeS2 + O2 ----> Cu2S + FeO + SO2
    Das entstehende Schwefeldioxid kann für die Herstellung von H2SO4 weiterverwendet werden. Die festen Produkte dieses Prozesses nennt man Röststein, eine Mischung aus Cu2S, FeS und FeO.
  3. Anschließend wird das Fe-Oxids im Flammofen SVG mit Siliciumdioxid verschlackt:
    2 FeO + SiO2 ---> Fe2SiO4
    Das Produkt dieses Prozesses heißt Kupferstein (Cu2S mit FeS). Als weitere Schritte folgen in einem kippbaren Konverter SVG:
  4. Beim Verblaserösten wird das restliche FeS oxidiert:
    FeS + 3/2 O2 ---> FeO + SO2
    und dann verschlackt:
    2 FeO + SiO2 ---> Fe2SiO4
    Nach ca. einer Stunde ist das Eisen verschlackt und die Schlacke wird durch Kippen des Konverters abgegossen. Das Produkt nach dem Verblaserösten nennt man Spurstein (Cu2S).
  5. In einer Röstreaktion, dem sogenannten Garblasen wird das Cu-Sulfid Cu zu 2/3 zu Cu2O geröstet:
    2 Cu2S + 3 O2 ---> 2 Cu2O + 2 SO2
    Diese Röstung ist exotherm. Anschließend wird in einer als Reaktion bezeichneten 2. Teilreaktion elementares Kupfer gewonnen:
    Cu2S + 2 Cu2O ---> 6 Cu + SO2
    Das Produkt dieser beiden Teilschritte (Röstreaktion) heißt Blasenkupfer oder Rohkupfer.
  6. Das Rohkupfer wird aus dem Konverter in Blöcke gegossen, die als Anodenplatten bei
  7. der Elektrolyse in CuSO4-Lösung dienen. Das Produkt der elektrolytischen Reinung heißt Reinkupfer oder Elektrolytkupfer. Bei der Elektrolyse gehen unedle Metalle in Lösung, die als Begleiter des Kupfers vorkommenden Edelmetalle wie Ag, Au oder Pt fallen von der Anode ab (Anodenschlamm) und sind wesentlicher Rentabilitätsfaktor der Cu-Herstellung.
Der Preis für Rohkupfer betrug am 13.7.2004 2.3 Euro/kg.
Kupfer wird wegen seiner besonderen Eigenschaften, vielfach verwendet. Wichtige Cu-Legierungen sind Messing und die verschiedenen Bronzen (zu Phasendiagrammen und Strukturchemie)

Links zur Kupferherstellung:

<<< Inhalt Kap. 1 Kap. 2 Kap. 3 Kap. 4 Kap. 5 Kap. 6 Kap. 7 Kap. 8 Lit. >>>
cr_home Interm. Phasen FK-Chemie Nichtmetalle Oxide Silicate Strukturtypen