Vorlesung Chemie der Metalle
9. Übergangsmetalle II
V. Nebengruppe/5. Gruppe/Vanadium-Gruppe
| alte Nomenklatur: |
III. NG |
IV. NG |
V. NG |
VI. NG |
VII. NG |
VIII. NG |
I. NG |
II. NG |
| neue Nomenklatur: |
3. Gr. |
4. Gr. |
5. Gr. |
6. Gr. |
7. Gr. |
8. Gr. |
9. Gr. |
10. Gr. |
11. Gr. |
12. Gr. |
| 3d |
Sc |
Ti |
V |
Cr |
Mn |
Fe |
Co |
Ni |
Cu |
Zn |
| 4d |
Y |
Zr |
Nb |
Mo |
Tc |
Ru |
Rh |
Pd |
Ag |
Cd |
| 5d |
La |
Hf |
Ta |
W |
Re |
Os |
Ir |
Pt |
Au |
Hg |
Die höchste Oxidationsstufe aller Elemente der Vanadium-Gruppe
ist +V. Zusätzlich ist bei Vanadium selber noch +IV sehr wichtig,
ebenfalls noch bekannt ist V(II) und V(III). Bei Niob
und Tantal, die wegen der Lanthanoidenkontraktion sehr ähnliche Radien
haben und damit chemisch auch sehr ähnlich sind,
sind ebenfalls +II, +III und +IV wichtige Oxidationsstufen neben +V.
Entsprechend der generellen Tendenz in den Nebengruppen ist
bei Nb und Ta die hohe Oxidationsstufe +V stabiler als bei Vanadium.
VV wirkt - im Gegensatz zu TiIV - bereits oxidierend.
1. Einleitung
Die physikalischen Eigenschaften der reinen Metalle
sind in Tabelle zusammengestellt.
Vanadium
Vorkommen
Vanadium ist ein Begleiter in vielen Eisenerzen. Reine Vanadium-Minerale sind,
eine Ausnahme hiervon ist der zu Apatit isotype
Vanadinit Pb5[VO4]3Cl (Abb. 9.5.1.)
.
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| Abb. 9.5.1. Vanadinit Pb5[VO4]3Cl
|
Metall
Das metallische Element Vanadium ist dem Stahl sehr ähnlich,
es ist durch eine Oxidschicht passiviert.
Die Darstellung kann nach drei unterschiedlichen Verfahren erfolgen:
- Reduktion von V2O5 mit elementarem Calcium.
- Stahlhaltige Stähle entstehen direkt bei der Reduktion der V-haltigen
Eisenerze mit Kohle.
- Zur Reindarstellung von Vanadium kann das van-Arkel-Verfahren benutzt werden,
bei dem eine chemische Transportreaktion von VI2 ?? oder ?? VI5
ausgenutzt wird.
Verwendung findet Vanadium in Form von Ferrovanadin, einer Legierung aus 50 % Eisen
und 50 % Vanadium, das für Spezialstähle eingesetzt wird.
Oxide
Von Vanadium sind eine Vielzahl von Oxiden bekannt:
- VOx mit x=0.9 bis 1.2 ist grau und kristallisiert in NaCl-Gitter.
- Das schwarze Oxid V2O3 hat Korund-Struktur.
- VO2 hat einen Homogenitätsbereich
VOx mit x=1.8 bis 2.0 und kristallisiert in der
Rutilstruktur. Wegen der Vorliegenden Gemischtvalenz ist es blauschwarz.
- V2O5 hat eine Struktur ähnlich der der
Schichtsilicate Si2O52-, d.h. es
besteht aus VO4-Tetraedern. Diese braunrote Oxid
ist das beständigste der Reihe und als Katalysator bei der
Schwefelsäure-Herstellung bekannt.
Vanadium in wässrigen Lösungen
Vanadium bildet in wässrigen Lösungen eine große Zahl unterschiedlicher
Oxidationsstufen, die jeweils vorliegenden Ionen bilden farbige Komplexe, d.h.
bei den Redoxreaktionen treten die verschiedensten Farben auf. Die in Lösung
stabilen Spezies und ihre Farben sind:
V2+ (violett) ---> V3+ (blau)
---> VIVO2+
---> VVO2+ (farblos)
---> VO3- (gelb)
---> VO43- (gelb)
Bei der sukzessiven Oxidation von Vanadium kommt es daher zu einem
Farbeffekt von blauviolett über grün(blau) nach gelb.
Die stabilste Oxidationsstufe in wässrigen Medium ist VIV.
VIII wird durch Sauerstoff oxidiert, VV sehr leicht reduziert.
VII reduziert Wasser zu Wasserstoff.
Versuch: Auflösung von elementarem Vanadium in oxidierenden Säuren wie z.B HNO3:
6 V + 10 HNO3 ----> 3 V2O5 + 10 NO + 5
H2O
V2O5 + 2 HNO3 ----> 2 (VO2)NO3 + H2O
V2O5 ist in Wasser unlöslich, löst sich aber sowohl in Laugen als auch
in Säuren.
Versuche:
V2O5 + 6 NaOH ----> 2 Na3VO4 + 3 H2O
V2O5 + 6 HCl ----> 2 VOCl2 (blau) + Cl2 +
3 H2O
V2O5 + H2SO4 ----> (VO2)2SO4
Mit Wasserstoffperodixd entsteht wie bei den Nachbarelementen Titan und Chrom ein Peroxovanadyl-Kation:
VO2+ + H2O2 + 2 H+
----> [V(O2)]3+ + 2 H2O
Isopolysäuren
Isopolysäuren enthalten kondensierte VOx-Polyeder.
In den Isopolysäuren liegt stets VV vor. Ihre Bildung kann bei der Umsetzung
einer Vandat(V)-Lösung mit halbkonzentrierter H2SO4 beobachtet werden.
Abhängig vom pH-Wert liegen unterschiedliche Spezies, die sich auch durch ihre Farben unterscheiden.
gelb ----> orange ----> Aufhellung VO2+
H3VO4 ---->
H4V2O7 ---->
H3V3O7 ---->
H6V10O28
(HVO4)2- --->
(HV2O7)3- --->
(V3O9) --->
(V10O28)6- ---> VO3+ --->
(HV10O28)5-
Bei stark alkalischen pH-Werten (z.B. 13) liegen demnach einfache Vanadate vor,
Polyvanadate entstehen im pH-Bereich zwischen 8 bis 6 und in sauren Lösungen
liegen dann Vanadylverbindungen vor.
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| Abb. 9.5.1. Der Cluster
[V10O28]6- in zwei verschiedenen Ansichten
‣VRML |
Ähnliche Isopolysäuren sind nicht nur von Vanadium, sondern auch von den Elementen
Nb, Ta, As, Cr, Mo, W, Si, P bekannt.
Schwerlösliche Vanadate sind Ag3VO4,
Pb3(VO4)2 und Ba3(VO4)2.
In alkalischer Lösung können durch Einleiten von Schwefelwasserstoff aus den Oxo- die
entsprechenden Thiovanadate dargestellt werden:
VO43- + 4 H2S ---> VS43- + 4 H2O
2 VS43- + 6 H+ ----> V2S6 + 3 H2S
Mit Zn/HCl oder elektrolytisch kann Vanadium schrittweise reduziert werden:
VV (gelb) ----> Mischfarbe grün ---->
VIV (blau) ----> VIII --->
VII
Die Reaktionen die hierbei ablaufen sind im Einzelnen:
- VOV + H + H+ ----> 2 VOIV2+ ? + Na2SO4
- VOIV2+ + H ----> VOIII + H+
- VOIII + H + H+ ----> [VII]2+ + H2O
Eine elektrolytische Reduktion verläuft vergleichbar.
Weitere Reduktionreaktionen sind:
- VV2O6 + Na2SO3
----> 2 VO2IV + Na2SO4
- VOIV2 + H2SO4 ---->
VOIV(SO4) + H2O
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| Abb. 9.5.2. Der (hier leere) Cluster
[VIV18O42]12-
‣VRML |
Halogenverbindungen
Wichtige Halogenverbindungen von Vanadium sind:
- VF6
- VOF3, VOCl3, VOBr3
- VCl4, VBr4, VI4 (nur in der Dampfphase)
- VF3, VCl3
- VF2
Komplexe
Von Vanadium(0) gibt es den Carbonylkomplex V0(CO)6
der ein 17 Elektronensystem ist und damit eine Ausnahme von der
sonst bei den Carbonylkomplexen geltenden Edelgasregel darstellt.
Niob, Tantal
Vorkommen
Niob und Tantal kommen in der Natur immer gemeinsam vor, da
sie aufgrund der Lanthanoidenkontraktion praktisch gleiche Ionenradius aufweisen.
Darstellung
Die Elemente können durch Reduktion der Oxide mit Aluminium oder Kohlenstoff erhalten werden.
Verwendung
Tantal ist wegen seines hohen Schmelzpunktes von 2850 oC und seiner dem Stahl
ähnlichen mechnischen Eigenschaften als Hochtemperaturwerkstoff (Flugzeugbau, Kanonenrohre, Tiegel)
einsetzbar.
Niobate und Komplexverbindungen des Nb
Beim Auflösen und Aufschliessen von Niob- oder Tantaloxid in alkalischen Medien werden lösliche
Niobate/Tantalate gebildet:
Nb2O5 + 6 KOH ---->
2 K3NbO4 + 3 H2O
Beim Ansäuern entsprehender Lösungen entstehen die gelartigen freien Säuren (vgl. H4SiO4):
K3NbO4 + 3 HCl ---->
(H3NbO4) + 3 KCl
Neben den Oxometallaten kennt man auch entsprechende Fluorometallate, wie z.B. das
stabile Heptafluoroniobat (ein typischen Beispiel für einen Komplex mit
sieben Liganden:
(H3NbO4) + 7 F- + 5 H+
----> [NbF7]2- + 4 H2O
(H3NbO4) + 2 C2O42- + 5 H+ ---->
[Nb(C2O4)4]3- + 4 H2O
K3NbO4 + 3 Na+ ----> Na3NbO4 + 3 K+
Oxide
Die wichtigsten Oxide von Niob und 'Tantal sind die Pentoxide (Nb2O5).
Außerdem sind aber auch niedere Oxide wie NbO (Defekt-Kochsalz-Struktur mit
Nb6-Clustern), Nb2O3 und NbO2 bekannt.
Halogenide
Nb- und Ta-Halogenide sind oft dimer oder polymer (Cluster).
NbF5 liegt als Tetrameres vor, vier Oktaeder zu einem Ring verknüpft,
NbCl5 ist dimer.
Wichtige Clusterverbindungen sind z.B.
[Nb6X12]2+, in denen Nb6-Oktaeder
vorliegen, in denen sich je ein X über jeder Kante befindet.
Niob bildet wie Vanadium mit H2O2 einen Peroxokomplex:
H3NbO4 (farblos) + H2O2
+ 3 H+ ----> [Nb(O2)]3+ (gelb) + 4 H2O